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Großübung am Floriansee: Kreiswasserwacht Rosenheim übt Evakuierung nach Überflutung

Rund 80 Einsatzkräfte der Wasserwacht und der BRK-Bereitschaften haben am Samstag, 19. September, am Floriansee und auf dem Ausbildungsgelände der Feuerwehr Rosenheim ein komplexes Überflutungsszenario geübt. Im Mittelpunkt standen die Evakuierung eines Reisebusses mit rund 30 Personen, die medizinische Sichtung mehrerer Verletzter sowie die Rettung einer Personengruppe von einer Insel.

Komplexes Szenario mit zwei Einsatzstellen

Das Übungsszenario ging davon aus, dass tagelange starke Niederschläge die Pegel der Flüsse in der Region deutlich ansteigen ließen. Für den Inn wurde am Samstagmorgen der Höchststand erwartet. Ein angenommener technischer Defekt am Innkraftwerk Rosenheim führte dazu, dass der Bereich um den Floriansee überflutet wurde.
In dem betroffenen Gebiet befanden sich ein Reisebus mit rund 30 Personen und eine kleine Gruppe, die auf einer Insel von den Wassermassen eingeschlossen war. Durch die Notbremsung des Busses hatten mehrere Personen Verletzungen erlitten. Weitere Betroffene gerieten in Panik. Die Einsatzkräfte mussten deshalb innerhalb kurzer Zeit eine große Zahl von Verletzten versorgen und mehrere Rettungswege über das Wasser organisieren.

Fünf Monate Vorbereitung

Die Planungen für die Großübung begannen bereits Anfang Mai. Das Team um Übungsleiter Stephan Braun analysierte mögliche Ereignisse aus der jüngeren Vergangenheit und bewertete deren Eintrittswahrscheinlichkeit für Stadt und Landkreis Rosenheim. Mit dem Ausbildungsgelände der Feuerwehr Rosenheim fand das Planungsteam einen geeigneten Übungsort. Dort standen unter anderem ein Übungsdamm, ein ausrangierter Kesselwagen, großzügige Freiflächen und ein Reisebus für Übungszwecke zur Verfügung.

Einheiten stellen Einsatzbereitschaft her

Am Freitagvormittag erhielten die Mitglieder der Wasserwachten im Landkreis Rosenheim die Nachricht „Alarmstufe 1, Einsatzbereitschaft herstellen“. Daraufhin wurden Ausrüstungen überprüft, Fahrzeuge betankt und alle Vorbereitungen für die Alarmierung getroffen. Am Abend erhielt die Führungsgruppe um Einsatzleiter Philipp Seiwald eine erste Lageeinschätzung. Die Verantwortlichen teilten die Kräfte ein und besprachen mögliche Vorgehensweisen. „Ab jetzt stehen wir auf Standby“, fasste Seiwald die Situation zusammen.

Am Samstagmorgen um 8 Uhr trafen sich die Einheiten aus dem gesamten Landkreis im BRK-Kreisverband Rosenheim. Kurz nach der Begrüßung wurde der erste von zwei Wasserrettungszügen nach Happing alarmiert. Weil die Zufahrtsstraße zum eingeschlossenen Bus bereits als überflutet galt, setzten die ersten Rettungsboote über den Floriansee zum angrenzenden Übungsgelände über. Nach der ersten Lagebeurteilung beorderte Seiwald auch den zunächst in Bereitstellung verbliebenen Wasserrettungszug mit sechs Fahrzeugen und 27 Einsatzkräften in das Schadensgebiet.

Klare Strukturen bei vielen Verletzten

Für die Einsatzkräfte war die angenommene Zahl der Betroffenen außergewöhnlich. „Mit zwei oder drei Verletzten werden wir häufiger konfrontiert. Aber 30 Patientinnen und Patienten auf einmal erleben wir sehr selten“, berichtete eine Einsatzkraft nach der Übung.

Trotz der hohen Zahl an Betroffenen liefen Rettung und Versorgung ruhig und strukturiert ab. Zunächst wurden die mutmaßlich lebensbedrohlich Verletzten versorgt und mit Booten ans andere Ufer gebracht. Danach folgten die weniger schwer Verletzten. Bei der Sichtung galt das Prinzip „Finde die Roten“. Mithilfe eines bayerischen Sichtungsalgorithmus ermittelten die Einsatzkräfte innerhalb kurzer Zeit, wer am dringendsten medizinische Hilfe benötigte. Anschließend erhielt jede betroffene Person eine Umhängekarte mit einem Farbcode, der die Behandlungsdringlichkeit kennzeichnete.

Lageänderung fordert flexible Reaktion

Während sich die Abläufe am Reisebus bereits stabilisierten, machten zwei Personen auf einer Insel in der Mitte des Sees auf sich aufmerksam. Sie berichteten, zu viert unterwegs gewesen und von der Flutwelle überrascht worden zu sein. Zusätzlich meldeten sie eine vermisste Person, die nicht schwimmen könne und untergegangen sei. Damit mussten die Einheiten zwei Einsatzstellen parallel abarbeiten. Die Betroffenen der Insel-Einsatzstelle wurden mit Rettungsbooten ans Ufer gebracht und dort dem wartenden Rettungsdienst übergeben. Nach rund vier Stunden erklärte Übungsleiter Stephan Braun die praktische Übung für beendet.

Nachbereitung zeigt Stärken und Verbesserungsmöglichkeiten

Während die Aufräumarbeiten begannen, werteten die Führungskräfte die Übung in einer ersten Besprechung aus. Neben vielen positiven Eindrücken wurden auch Verbesserungsmöglichkeiten erkannt. Solche Erkenntnisse sind ein wesentlicher Grund dafür, dass die Einheiten regelmäßig gemeinsam üben.

„Wie gut wir auf extreme Ereignisse vorbereitet sind, kann nur mit solchen großen Übungen überprüft werden. Die Einheiten der Kreiswasserwacht Rosenheim sind auf jeden Fall gewappnet“, erklärte Freddy Eisner, 1. stellvertretender Vorsitzender des BRK-Kreisverbands Rosenheim und selbst Einsatzleiter Wasserrettung, den Gästen aus Politik und BRK-Bezirksführung. BRK-Kreisgeschäftsführer Direktor Martin Schmid findet es „toll, dass so viele Ehrenamtliche an der Übung teilnehmen – auch wenn es kein Ernstfall ist“.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurde die Veranstaltung gegen 14 Uhr offiziell beendet und die Einheiten kehrten an ihre Standorte im Landkreis zurück.

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