Herzenswunsch HospizmobilHerzenswunsch Hospizmobil

Herzenswunsch Hospizmobil

Das BRK – Retter in der Not! In allen Notlagen? Leider nicht immer. Mit dem Herzenswunsch Hospizmobil ist es uns jedoch erlaubt, kranken Menschen in der letzten Lebensphase einen Herzenswunsch zu erfüllen. Einmal noch einen Tag Freude, Leichtigkeit und so viel Normalität wie möglich – in einer sehr schweren Zeit – zu vermitteln.

Unser Ziel

Unsere Rotkreuzaufgaben sind breit gefächert: vom klassischen Rettungsdienst, ambulante Pflege, all unsere sozialen Dienste, bis hin zur Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien und zusätzlich die fünf Gemeinschaften – Bereitschaften, Jugendrotkreuz, Wasserwacht, Bergwacht, sowie die Wohlfahrt- und Sozialarbeit können in allen Notlagen die beste Hilfe bieten. In allen Notlagen? Tatsächlich gibt es dramatische Situationen, in denen weder der klassische Rettungsdienst, noch eine andere Gemeinschaft einfach und schnell helfen kann. Menschen die nur noch eine kurze Zeit zu leben haben, kämpfen gegen die Zeit und gegen eine Krankheit. In solchen traurigen Konstellationen werden auch Wünsche geäußert. Nicht alle Wünsche können erfüllt werden. Jedoch aber einen Herzenswunsch zu erfüllen, das ist mit dem Herzenswunsch Hospizmobil unser Ziel. Unser ‚Herzenswunsch‘ unbürokratisch, schnell und vor allem mit Herz und Fürsorge Menschen auf einen Ausflug mitzunehmen, den sie sich wünschen, der aber ohne die Hilfe anderer nicht mehr zu bewerkstelligen ist. Der Kreisverband Rosenheim mit allen seinen Facetten, Mitarbeitern aus allen Bereichen, Ehrenamt und Hauptamt engagieren sich und setzen Ihr Können und ihre Zeit für diesen Herzenswunsch ein.

Wie alles begann

Ende März 2019 bietet der BRK Kreisverband Straubing-Bogen einen Informationstag „Herzenswunsch Hospizmobil“ für alle interessierten Kreisverbände in Bayern und über die Grenzen hinaus. Ca. 40 Leute füllen den Lehrsaal in Straubing und werden sogleich mitgerissen von den Erzählungen und Ausführungen des Kreisgeschäftsführers und beteiligter ehrenamtlicher Helfer. In Straubing sind die Erfahrungen und die Aufgabe auch noch sehr jung – das Projekt läuft zu diesem Moment ein dreiviertel Jahr - jedoch gibt es bereits so viele positive Berichte, die sie gerne teilen, um diese Idee bayernweit bekannt zu machen. Der Wunsch, ein Hospizmobil durch den Kreisverband Rosenheim zu betreiben, ist zu diesem Zeitpunkt nicht neu. Bereits eineinhalb Jahre zuvor, wurde darüber nachgedacht, jedoch scheiterte der Versuch, dieses Projekt über eine Stiftung auf die Füße zu stellen. Nun aber war klar, dass keine Stiftungsgelder nötig waren, sondern dass dieses Angebot rein durch Spenden zu bewältigen ist. So wurde bereits auf dem Heimweg von Straubing viel diskutiert und es war klar, dass so schnell wie möglich, unser Anliegen dem Vorstand unterbreitet und um Freigabe dieser neuen Aufgabe gebeten werden muss. Einzig die Qual der Wahl, wer sich zukünftig federführend um das Herzenswunsch-Projekt kümmert, stand noch im Raum. Eine Herzensangelegenheit, die gleich mehrere hauptamtliche Mitarbeiter angesprochen hat und sich zwei Bereiche darum bemühten, die Organisation zu übernehmen. Letztendlich wurde der Entschluss gefasst, sich gemeinsam in einem Organisationsteam zusammen zu finden und miteinander das neue Arbeitsfeld zu stemmen. Zusätzlich wurde, aus Vertretern des Ehrenamtes und Hauptamtes, Ärztin und Betreuern, ein Gremium gebildet. Das Gremium entscheidet, ob eine Herzenswunschfahrt erfüllt werden kann. Durch die Präsentation des Projekts knapp drei Wochen später wurde die komplette Vorstandschaft begeistert und überzeugt, so dass unserem Projekt „Herzenswunsch Hospizmobil“ nichts mehr im Wege stand. 

Unser Herzenswunsch-Fahrzeug

Um Herzenswünsche zu erfüllen, benötigten wir als erstes ein passendes Fahrzeug. Anfang Mai konnten – wieder in Straubing – aus drei potenziellen Mobilen, ehemalige Krankenwägen aus Österreich, eines ausgewählt werden. Die Grundausstattung wurde festgelegt und bestellt. Die Zulassung für Deutschland, sowie der TÜV waren nötig. Die Beklebung wurde identisch zu den Schwestermobilen der anderen Kreisverbände übernommen. Federführend der Kreisverband Straubing-Bogen, der das Logo „Herzenswunsch Hospizmobil“ für das BRK schützen ließ. Anfang Juni trat das Hospizmobil seine Reise in den Kreisverband Rosenheim an und wurde hier von einem Teil der Vorstandschaft empfangen und sogleich begutachtet. 

Unser Herzenswunsch Team

Wer soll mit dabei sein? Aus Erfahrungsberichten anderer Kreisverbände wussten wir, dass es notwendig ist, sowohl die medizinische Betreuung unsere Fahrgäste zu gewährleisten, aber auch für das seelische Wohl zu sorgen. Einfach einen sympathischen Ansprechpartner,  eine Reisebegleitung bei mehrtätigen Reisen oder eine zusätzliche Fahrer/in für eventuelle Begleitfahrzeuge. So war klar, wir werden versuchen, alle Gemeinschaften anzusprechen und allen die Möglichkeit geben, die Interesse haben, dabei zu sein. So konnten wir bereits bei der Infoveranstaltung Besucher aus vielen unterschiedlichen Rotkreuzbereichen begrüßen. Insgesamt haben wir zwischenzeitlich über 50 Rotkreuzler in unserem Herzenswunsch-Team. So unterschiedlich die Wünsche sind, die an uns herangetragen wurden und werden, so unterschiedlich sind die Anforderungen an unser Team und an das Können unserer Helferinnen und Helfer. Wir freuen uns über den großen Zuspruch und bedanken uns bei allen für ihr außerordentliches Engagement! 

Eine Pilgerreise entlang des Jakobswegs - Unsere erste Wunschfahrt mit dem Hospizmobil.

Unsere Herzenswunschreisen

Ein letzter Wunsch und sei er noch so klein,  diesen erfüllen zu können ist unserem gesamten Team eine Herzensangelegenheit. Den Wunsch geäußert in einem persönlichen Gespräch oder aber über unser Onlineformular, geht die Organisationsphase los und diese benötigt immer einen gewissen Vorlauf.  Der Antrag wird an das Gremium weitergeleitet, das entscheidet, ob der Wunsch durchführbar ist. Liegt die Zusage dem Organisationsteam vor, besteht der nächste Schritt darin, bei vorliegender ‚Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht‘, ein Arzt-Arzt-Gespräch mit dem zu behandelnden Hausarzt zu führen. Hat das Team auch hier die Freigabe für die Wunscherfüllung, beginnt die eigentliche Planungsphase. Detailliert wird der Wunsch noch einmal zusammen getragen und das Planen beginnt. Alle Eventualitäten müssen bedacht und mit einberechnet werden. Welche Bedingungen werden an das begleitende Personal gestellt, welches medizinisches Equipment wird benötigt, wenn jemand Sauerstoff benötigt, wie viel muss berechnet werden? Wie viel Zeit wird die Wunscherfüllung beanspruchen, einen Tag, mehrere Tage oder nur ein paar Stunden? Wie viele Personen werden an dem Tag benötigt? Werden nur unser Personal mit dem Wunschsteller auf Reise gehen oder wollen auch Familie und Freunde Teil davon sein?  Wie viele Fahrzeuge werden benötigt, brauchen wir einen speziellen Rollstuhl, wie mobil ist unser Patient, dementsprechend müssen Pausen mit einberechnet werden, Möglichkeiten zum Sitzen oder Liegen bedacht werden. Wie ist die Beschaffenheit der Umgebung, um den Wunsch wahrwerden zu lassen? Was muss gebucht werden, für wie viele Personen? Viele Fragen, um die sich unser Organisationsteam vor der eigentlichen Wunscherfüllung kümmert, um den Ausflug erfüllen zu können und den Herzenswunsch als was ganz besonderes wahr werden zu lassen. Die Bearbeitung der Planung erfolgt während der normalen Arbeitszeit, es beansprucht keine geschaffene Stelle, sondern wird von BRK-Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen geleistet. Das Team, das den Herzenswunsch an dem Ausflugstag begleitet, engagiert sich rein ehrenamtlich und unentgeltlich. Es besteht aus Ärzten, Sanitätern, Betreuern und ehrenamtlichen sowie hauptamtlichen Rotkreuzlern aus allen Gemeinschaften. Es ist so weit, der Tag des Ausfluges ist gekommen. Die Helferinnen und Helfer wurden  ausgesucht, eine Übergabe hat stattgefunden, an der sich das Team und ein Vertreter des Organisationsteam nochmals zusammensetzen und alle Informationen durchgehen. Alle medizinischen Fragen wurden geklärt, der Zeitplan wurde ausgehändigt, das Fahrzeug voll ausgestattet mit allen erforderlichen Mitteln und zusätzlich noch eine Infomappe mit allen relevanten Informationen. Unsere erste Wunschreise war außerordentlich umfangreich und hat uns dann alle zusammen in allen Bereichen sehr gefordert. Doch auch das macht uns aus, das Rote Kreuz, dass wir in schwierigen Situationen, in der Gemeinsamkeit unsere Stärke kennen und so versuchen, den optimalen und besten Weg zu finden.

Pilgerreise von Neubeuern nach Basilika Absam – erste Fahrt des BRK Herzenswunsch Hospizmobil

Der Wunsch „noch einmal gemeinsam mit Freunden und Familie pilgern“ war die erste Fahrt des Herzenswunsch Hospizmobil des BRK KV Rosenheim. Heidrun ist 56 Jahre alt und unheilbar an Krebs erkrankt. Sie war  begeisterte Pilgerin und wünschte sich noch einmal „unterwegs“ zu sein. Die Schwierigkeit – sie ist auf einen Rollstuhl bzw. liegenden Transport angewiesen. Durch die Medien wurden der Hausarzt, sowie die Familie auf das neue Projekt des Bayerischen Roten Kreuzes aufmerksam und füllten sogleich die Wunschanmeldung aus. Der ursprüngliche Wunsch sollte über den Jakobsweg nach Santiago de Compostela führen, dieser war aber auf Grund ihres Krankheitsbildes nicht mehr durchführbar. Das Herzenswunsch-Gremium beriet sich, klärte medizinische Probleme und mögliche Hindernisse und entschied „Heidruns Wunsch zu pilgern kann erfüllt werden!“  Sofort begann das Team Herzenswunsch mit der Planung. Ein Jakobsweg sollte es sein und auch von zu Hause aus sollte es losgehen. Schnell war ein grober Weg Plan erstellt, der nach und nach auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten für Heidrun abgestimmt wurde. Die Pilgertruppe aus Familie, Freunden und BRK-Mitarbeitern traf sich an einem Freitag in Neubeuern und startet in Richtung Basilika Absam, dem Ziel der Reise. Verschiedene Stationen wurden entweder zu Fuß oder mit dem Herzenswunschmobil erreicht. Sei es Windshausen, Kloster Reisach, Kirche Mariastein, Kleinsöll, Kloster Schwaz oder Maria Larch Kapelle, überall wurde unsere Gruppe herzlich und interessiert empfangen. Jeder Reisende sowie auch unser Hospizmobil hatten einen angefertigten Pilgerpass, in dem sie an jeder Station einen Stempel bekamen. Eine Jakobsweg Weisheit sagt aus: “Der Weg gibt Dir nicht das was du willst, sondern das was du brauchst.“ Auch das konnte man auf der Reise zu jedem Moment deutlich spüren. Vor allem den starken Zusammenhalt aller Beteiligten. Es ging bergauf und bergab, über Feldwege und Schotterstraßen. Einzig durch die Gemeinschaft, konnte das Ziel zusammen erreicht werden! Zum Abschluss fuhr die Gruppe mit dem Schiff auf dem Achensee und ließ die Reise noch mal Revue passieren. Hier wurde das Team des BRK positiv überrascht, als Heidrun ihnen erzählte, dass eine Schifffahrt ebenfalls noch ein Herzenswunsch gewesen sei. Die Eindrücke der Pilgerreise beschäftigt das Team des Herzenswunsch Hospizmobil nach Ankunft in Rosenheim noch sehr. Sie waren berührt, nachdenklich aber auch sehr dankbar, ein Teil dieser Reise gewesen zu sein. Wieder zurück vom Ausflug, wird das Fahrzeug gereinigt und wieder aufgefüllt, falls Mittel benötigt wurden. Die Dokumentation während und nach der Wunscherfüllung wird festgehalten. Und am wichtigsten: das Reisetagebuch wird mit einem Bericht und Fotos bestückt! Herzenswünsche erfüllen bedeutet viel Organisation und Mühen zu betreiben, aber eines steht für das gesamte Team fest: Der Aufwand lohnt sich jedes Mal! Herzenswünsche sind uns eine Herzensangelegenheit!  

Fazit

Seit der ersten Reise begleitet das Herzenswunsch Hospizmobil ein Reisetagebuch. Aus einem der Berichte, hier ein Satz der wohl sehr verständlich, einfach und klar die Arbeit unseren neuen Aufgabe beschreibt:  „Die Erlebnisse an einem solchen Tag bestätigen uns mal wieder, wie wertvoll unsere ehrenamtliche Arbeit beim BRK ist und was uns durch die Dankbarkeit der Menschen durch diese Tätigkeit wieder zurück gegeben wird! Denn was ist wertvoller, als ein ‚herzliches Dankeschön‘!“