Ähnliche Voraussetzungen gab es beim Szenario am Badesee in Thansau beim Hochwasserszenario „Lummerland“. Die Zufahrtswege waren mutmaßlich überflutet und somit nicht alle Fahrzeuge einsetzbar, so Übungsleiter Stephan Braun. Es war enorm wichtig Abschnitte zu bilden, gut zu kommunizieren und gemeinsam zu arbeiten. Laut Alarmierung hatten sich die Bewohner aufgrund des steigenden Wasserspiegels auf Hausdächer und Erhebungen geflüchtet. Dazu zählten auch drei Rollstuhlfahrer, welche durch eine Betreuerin auf eine Erhöhung evakuiert wurden und von den Rettern in Sicherheit gebracht werden mussten. Neben der Evakuierung der eingeschlossenen Personen, mussten weitere untergegangene Bewohner gesucht und geborgen werden. Besonders hilfreich war hier der Einsatz der Drohne der Bergwacht, die zur Sichtung des Geländes eingesetzt werden konnte.
Beim Schlauchbootunfall, der am Samstag in der Nacht stattfand, waren laut Einsatzmeldung zwei Boote auf dem Inn gekentert, weil sich Anwohner aus einem Hochwassergebiet retten wollten. Insgesamt 20 Opfer galt es zu finden und zu versorgen. Die besondere Herausforderung lag hierbei auf den beengten Verhältnissen des Einsatzorts, der Dunkelheit und dem einsetzenden Schneeregen, der sowohl den Opfern als auch den Einsatzkräften stark zusetzte.
Die Bergwacht war ein einem weiteren Einsatz die führende Einheit, einer Vermisstensuche im Mühltal nahe Nußdorf. Die Meldung lautete, dass eine 5-köpfige Familie nach einem Wanderausflug von Nußdorf Richtung Holzmann nicht mehr zurückgekehrt war. Auch bei diesem Einsatz, so Andreas Menzinger, Planer und Leiter der Station, funktionierte die Zusammenarbeit zwischen Bergwacht und Rettungsdienst einwandfrei. Auch die Versorgung der Patienten, die Betreuung durch das KID Bergwacht sowie die Absicherung der Fahrstraße gegen Steinschlag waren professionell und realitätsnah.
Alle Szenarien mit Ausnahme der Vermisstensuche in Mühltal wurden an den zwei Tagen jeweils zwei Mal durchgeführt und von unterschiedlichen Einheiten, zum Teil mit kleinen Abwandlungen, bewältigt. Am Sonntag zeigte sich dann schon ein erheblicher, sichtbarer Trainingseffekt. Philipp Seiwald, Übungsleiter an der Station „PKW im Wasser“ konnte das besonders deutlich beobachten: „[…] nachdem sich alle Einheiten zusammen gefunden hatten, wurde der Einsatz routiniert und diszipliniert abgearbeitet. Es war vor allem am zweiten Tag eine steile Lernkurve zu erkennen“. Die Einheiten hatten sich kennengelernt, wussten von den Stärken der einzelnen Komponenten und setzten diese zielgerichtet und professionell ein. Stephan Braun, Technischer Leiter der Kreiswasserwacht und Mitorganisator meinte, dass jeder seine Aufgabe gefunden hatte. Eine der zahlreichen Beobachter und Ehrengäste, Landesbereitschaftsleiter Michael Raut, bemerkte später in einem Post in den sozialen Medien „Die Abläufe geräuschlos, jeder an seinem Platz, Fachdienst bezogen hervorragende Leistungen. Das wurde zum ersten Mal so geübt, ausgesehen hat es wie schon 25jährige, reibungslose Zusammenarbeit.“ Ein Eindruck, den viele der insgesamt 28 Ehrengäste, die der Einladung des Kreisverbandes zu einem Besuch der Übung gefolgt waren, nur bestätigen konnten.
Eine wichtige Säule des Erfolgs der Übung stellte die Verpflegung dar. Diese wurde dich Verpflegungseinheiten der BRK Bereitschaften über das gesamte Wochenende sichergestellt. So vertilgten die hungrigen Einsatzkräfte insgesamt 1.150 Mahlzeiten, bestehend aus 65 kg Fleisch, 60 kg Gemüse, 35 kg Brot, 600 Semmeln, 600 l Warmgetränkte und 150 l Kaltgetränke.
Das Fazit der Übungsleitung war ebenso positiv. Die Übung verlief reibungslos und ohne Störungen, die Einheiten verfolgten Ihre Aufgaben zielorientiert und gewissenhaft. Das Übungsziel wurde erreicht und die Gemeinschaftlichkeit noch verstärkt. Auch neue Materialien und Einsatzmittel konnten geprobt und Neuerungen wie die Drohnen der Bergwacht oder die Hochwasserboote der Wasserwacht erfolgreich getestet werden. Ein wichtiges Fazit der Übung ist auch, dass es wichtig ist sich zu kennen. Die Übungsleitung empfiehlt daher weitere Treffen der Führungskräfte in regelmäßigem Abstand sowie weitere Übungen in ähnlichem Ausmaß. Zu guter Letzt, eine Einschätzung von Norbert Pache, Mitglied der Übungsleitung: „Ich glaube, dass an diesem Wochenende ziemlich eindrucksvoll die ‚Rotkreuzfamilie‘ zelebriert wurde. Es gab kein großes Gezanke und Geschrei, sondern nur ein harmonisches Miteinander“. Das ist sicher das beste Fazit, dass sich das Rote Kreuz für die Übung wünschen konnte. Wir danken allen Beteiligten.