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Einsatz am Heuberg

Bergwacht

Bei den 457 Bergwachteinsätzen 2020 im Landkreis hatten es unsere Retter nicht nur mit alltäglichen Unfällen und Verletzungen zu tun. Corona überschattet alles – es war ein aufregendes Jahr. Auch die geplanten Feierlichkeiten zur 100-Jahr-Feier der Bergwacht fielen der Pandemie zum Opfer.

Die Bergwachten des Land​kreises in Zahlen

Im Landkreis Rosenheim haben unsere sechs Bergwachtbereitschaften 296 aktive Mitglieder, 98 Anwärter, 40 in den Jugendgruppen, 100 inaktive Kräfte und 693 fördernde Mitglieder. Trotz Coronamaßnahmen wurden immerhin noch 457 Einsätze bewältigt.
Die Aus- u. Weiterbildungen wurden aufgrund der Hygienevorschriften auf das minimalste gekürzt. Kleinere Gruppen bei der Ausbildung, weniger Treffen in den Wachen und auch die Zahl der aktiven Bergretter bei den Einsätzen wurde auf das nötigste beschränkt. Am Anfang der Pandemie wurde die Gruppe der Einsatzkräfte klein gehalten, um eine Durchmischung zu verhindern.

Absturz am Heuberg an der Kindlwand

Am 12.06.2020 stürzte eine 45jährige Wanderin aus dem Großraum München an der Kindlwand im Heuberggebiet mehrere Meter tief über Felsgelände ab und zog sich dabei einen Unterschenkelbruch zu.
Weitere anwesende Wanderinnen (darunter eine Ärztin) konnten eine Erstversorgung der Patientin übernehmen, dem Einsatzleiter der Bergwacht Brannenburg die Einsatzstelle per GPS mitteilen und sich im weiteren Verlauf dem Helikopter deutlich zu erkennen geben und somit die Rettungskräfte vorbildlich unterstützen. Das anspruchsvolle Gelände erforderte den Einsatz eines Rettungshubschraubers, welcher zunächst einen Bergretter aufnahm, der sich an der Einsatzstelle als erstes abwinschte und eine Seilsicherung für die Crew des Helikopters und die nachfolgenden zu Fuß aufgestiegenen Einsatzkräfte der Bergwacht Brannenburg einrichtete. Dank der guten Zusammenarbeit zwischen Bergrettern und Besatzung des Rettungshubschraubers Luftrettungsstation Christoph 1 konnte die Patientin aus dem Absturzbereich gebracht und zur weiteren medizinischen Versorgung in ein Klinikum geflogen werden.
Nach dem Einsatz flog der Helikopter zur Betankung an die Bergrettungswache Brannenburg, während weitere Rettungskräfte bereits Folgeeinsätze abarbeiteten.

Anbau an die Bergrettungswache Samerberg

Anbau an der Wache Samerberg

Gestiegene Einsatzzahlen und zusätzliche Spezialausrüstung erhöhen den Platzbedarf der Bergwacht Rosenheim-Samerberg. Auf der Ostseite des bestehenden Gebäudes ist nun eine neue Garage entstanden.
Die 2010 errichtete Bergrettungswache in Grainbach war im Durchschnitt für 50 Einsätze und zwei Einsatzfahrzeuge ausgelegt. In den letzten zehn Jahren haben sich die Einsatzzahlen fast verdreifacht. Durch zusätzliche Spezialausstattung und Aufgabenfelder muss mehr Ausrüstung vorgehalten werden. Mit dem Garagenanbau ist ein Stellplatz für das Einsatzleitfahrzeug und ein optimierter Stellplatz für das Quad mit Raupenketten entstanden, das bisher in zweiter Reihe parkte. Zusätzlich bekamen die Spezialisten der Höhlenrettung einen Stellplatz für den Höhlenrettungsanhänger und Platz für die Materialpflege und Ausbildung. So lassen sich die Einsatzzeiten und die Materialübersicht wesentlich verbessern.
Zusätzlich wollen wir eine Kletterwand für die Ausbildung der Anwärter und der Jugend errichten.

Einsatz im nächtlichen Schneetreiben

Am 13. Oktober gegen 01:30 Uhr wurde die Bergrettungswache Samerberg alarmiert. Eine Person mit einer akuten Erkrankung befand sich zu diesem Zeitpunkt im Hochries-Gipfelhaus.
Sofort machten sich rund zehn Einsatzkräfte und ein Bergwachtnotarzt mit dem Fahrzeug auf dem Weg zum Riesenplateau. Von dort aus ging es mit medizinischem Equipment und einer Gebirgstrage zu Fuß auf den Gipfel der Hochries. In der Hochrieshütte wurde der 35-jährige Patient medizinisch erstversorgt und für den Abtransport vorbereitet. Bis zum Fahrzeug wurde der Patient in der Gebirgstrage transportiert.
Die schlechte Sicht durch den Nebel und der starke Schneefall erschwerten den Einsatz. Ab dem Riesenplateau konnte die restliche Strecke ins Tal mit dem Rettungsfahrzeug zurückgelegt werden.
Im Tal wurde der Patient dem Rettungsdienst übergeben und ins Klinikum Rosenheim gebracht.

Nächtlicher Einsatz auf der Hochries

Corona-Auswirkungen bei der Bergwacht

Einsatz unter Covid-Maßnahmen

Bis zum Lockdown und mit der Ausrufung des Katastrophenfalles für ganz Bayern startete das Jahr für die Bergwacht wie jedes Jahr: verletzte Skifahrer, Wanderer, Tourengeher und Schlittenfahrer wurden versorgt und ins Tal gebracht. Ab dem 16. März änderte sich das schlagartig, kein Vorsorge-Dienst an den Wachen und Hütten der Bergwacht und kein Skibetrieb bei den Bergbahnen. Mit der Beendigung des Lockdown waren auch wir gefordert, die Hygienemaßnahmen, die für den Rettungsdienst gelten, auch bei unseren Einsätzen anzuwenden. Dies hatte einen größeren Aufwand an Material und Personal zur Folge. Es wurde alles auf „Minimalbetrieb“ zurückgefahren. So auch der Vorsorgedienst an den Wachen, bei dem  sich nur noch maximal vier Retter an der Wache befanden. Zur Unterstützung bei größeren Einsätzen, wurde die Pieps-Mannschaft nachalarmiert. Die Bergwacht beteiligte sich auch an diversen Corona-Aktionen des Kreisverbandes.

Ehrungen für langjährige Mitarbeit in der Bergwacht Bayern

Ehrungen bei der Bergwacht

Zum Jahreswechsel 2019/2020 ehrte die Bergwacht Rosenheim-Samerberg vier langjährige Mitglieder. Christian Stöhr, Helmut Dimpflmeier und Peter Henn wurden für 40 Jahre, sowie Robert Hirzinger für 25 Jahre, aktive Mitarbeit in der Bergwacht Bayern ausgezeichnet. Auf insgesamt 145 Jahre Bergrettungserfahrung im Hochriesgebiet können die vier Bergretter zurückblicken. Die Bereitschaftsleiter Josef Hunger und Matthias Pummerer bedankten sich recht herzlich bei den vieren für die langjährige Mitwirkung.