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Bergwacht

Für die Bergwacht und ihre 295 Einsatzkräfte stand auch das Jahr 2021 im Zeichen der Pandemie. Nur mit erheblichen Aufwand konnten die 398 Einsätze unter den jeweiligen Hygienevorschriften, die im Rettungsdienst und bei der Bergwacht verpflichtend waren, durchgeführt werden.

Die Bergwachten des Land​kreises in Zahlen

In der Bergwacht sind derzeit 295 Mitglieder, 79 Anwärter und in den Jugendgruppen 38 Mitglieder aktiv. Inaktiv sind 92 Mitglieder  gemeldet und 701 fördernde Mitglieder unterstützen uns mit ihren Beiträgen.
Der Vorsorgedienst an den Berg­rettungswachen und auf den Diensthütten wurde durch die Hygienevorschriften je nach Einsatz­aufkommen der einzelnen Bergwachten, auf das Notwendigste beschränkt, jedoch immer so, dass die Einsatzbereitschaft erhalten blieb. Bei der Ausbildung im Gelände wurde nur in kleinen Gruppen gearbeitet.
Auch die wöchentlichen Treffen wurden auf das Nötigste begrenzt. Fortbildungen wurden in kleinen Gruppen durchgeführt und parallel mit einer Online-Video-Schaltung von den restlichen Mitgliedern zuhause am PC verfolgt. Die Pandemie bewirkte positiv, dass der Ausbau der digitalen Infrastruktur, über die Video-Schaltung mit allen Mitgliedern im Verband, sei es auf Bereitschafts- oder Regionalebene vorangebracht wurde. Da nicht alle Mitglieder zur Ausbildung an den Wachen präsent waren, konnten auch nicht alle im zeitlichen Aufwand erfasst werden, somit wurden nur ca. 6.000 Stunden dokumentiert.

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Neuwahlen bei den Bergwacht-Bereitschaften

Auch bei den Bergwachten im Landkreis wurde 2021 gewählt. Die neuen Bereitschaftleitungen übernehmen eine verantwortungsvolle Aufgabe. Allen ehemaligen Leitern einen herzlichen Dank für ihr Engagement und allen neuen wünschen wir ein gutes Gelingen und viel Erfolg bei ihrer neuen Aufgabe. Auf dem Foto sind die neuen Leiter-Teams (v.l.)

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Aus den Bergwacht-Bereitschaften

Brannenburg
Für die Bergwacht Brannenburg war im Jahr 2021 besonders der Heuberg bei Nußdorf am Inn ein Einsatzschwerpunkt mit mehreren fordernden und aufwändigen Einsätzen.


Gleitschirmflieger in Not
So starteten beispielsweise am späten Nachmittag des 16.02.2021 gegen 16.50 Uhr ein 32-Jähriger aus dem Landkreis Rosenheim und ein 31-jähriger Münchener mit ihren Gleitschirmen vom Heuberg. Bei beiden Männern handelt es sich um Gleitschirmflieger mit jahrelanger Erfahrung.
Nachdem der Rohrdorfer seinen Bekannten, der kurz vor ihm gestartet war, aus den Augen verloren hatte und dieser dann auch nicht an dem vereinbarten Landeplatz eingetroffen war, setzte er einen Notruf ab. In der Folge lief unter Leitung der Polizeiinspektion Brannenburg und der Bergwacht Brannenburg unverzüglich eine größere Suchaktion nach dem Vermissten an.
Gegen 19.45 Uhr konnte der Verunfallte von einem Polizeihubschrauber im Bereich der „Eingefallenen Wand“ in unwegsamem Gelände an einem Baum hängend lokalisiert und anschließend durch Kräfte der Bergwacht Brannenburg gegen 21.00 Uhr geborgen werden. Die Bergwacht und zwei Beamte der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei mussten sich auf Grund des Geländes fußläufig an den Verunfallten annähern. Hier war auch eine besondere Sicherung der Einsatzkräfte notwendig, welche durch die Bergwacht organisiert und gestellt wurde. Ein Notarzt der Bergwacht konnte jedoch nur noch den Tod des Verunfallten feststellen.
An dem Einsatz waren zahlreiche Kräfte der Bergwacht Brannenburg sowie der Bergwacht Hausham und Wasserburg im Einsatz, welche die Lokalisierung des Verletzten sowie dessen Rettung versuchten. Zudem waren ein Rettungshubschrauber und zwei Polizeihubschrauber an dem Einsatz beteiligt.


Absturz an der Wasserwand
Am 1. Mai wurde die Bergwacht Brannenburg zu einer schwer verletzten Person an der Wasserwand am Heuberg oberhalb von Nußdorf am Inn alarmiert.
Die 56-jährige Frau aus dem nördlichen Landkreis Rosenheim war zusammen mit zwei Begleitern im mit Drahtseilen versicherten Steig unterwegs, als sie gegen 11 Uhr abstürzte und dabei schwerste Verletzungen an allen Extremitäten, Rumpf und Kopf erlitt.
Der vom Einsatzleiter der Bergwacht Brannenburg unmittelbar zur Unterstützung angeforderte Rettungshubschrauber aus Traunstein konnte die Unfallstelle wegen dichter Wolken zunächst nicht anfliegen. Parallel stiegen zahlreiche Einsatzkräfte der Bergwacht zusammen mit zwei Bergwacht-Notärzten zu Fuß zur Einsatzstelle auf und versorgten die lebensgefährlich verletzte Patientin, die durch die anwesenden Ersthelfer bereits hervorragend betreut wurde.
Im weiteren Verlauf musste die Patientin von den Einsatzkräften zu Fuß mit der Gebirgstrage unter Seilsicherung bis zu den Daffnerwaldalmen transportiert und getragen werden, wohin dem Rettungshubschrauber in einer Wolkenlücke zwischenzeitlich der Anflug gelungen war. Die Besatzung des Hubschraubers übernahm die weitere Versorgung und brachte die Patientin in ein Krankenhaus.
An diesem Einsatz beteiligt waren ca. 30 Einsatzkräfte der Bergwacht Brannenburg, mehrere Kameraden der B

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Oberaudorf

„Die Canyonretter“
„Hilflose Person im Auerbach!“, lautete die Einsatzmeldung für die Bergwacht Oberaudorf-Kiefersfelden an einem Freitagabend im Herbst. Ein Fall für die Gruppe der spezialisierten Canyonretter, die sich nicht nur im Hochgebirge zuhause fühlen, sondern auch mit den Gefahren und den Herausforderungen der Rettung aus einem reißenden Gebirgsbach bestens vertraut sind. Canyoning oder Schluchtenwandern ist ein faszinierender Sport. Eine wilde Mischung aus Tauchen, Schwimmen, Springen, Abseilen und Wandern, die sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit erfreut. Doch wenn es stark regnet, kann sich ein harmlos dahinplätschernder Bach schnell in eine gefährliche Falle verwandeln. Die Strömung nimmt stark zu und steile Felswände können den Ausweg versperren. Spätestens jetzt zählt im eiskalten Wasser jede Sekunde.
Glücklicherweise handelte es sich an jenem Freitag nur um eine Übung, als sich 15 Bergretter mit einem Anhänger voller Ausrüstung zu den Wasserfällen am Tatzelwurm auf den Weg machten. Wer rastet der rostet und die komplizierten und materialaufwändigen Rettungstechniken wollen regelmäßig trainiert werden, um im Ernstfall zu sitzen. Über 15 m hoch, spiegelglatt und senkrecht ragen die Felswände rechts und links der Wasserfälle in die Höhe. Und so wurde ein Seilaufzug („V-Aufzug“) gebaut, um das vermeintliche Opfer, selbst ein erfahrener Spezialist für Canyon-Rettung, aus seiner misslichen Lage unten in der Gumpe zu befreien. Zwei Retter ließen sich direkt neben den Wasserfällen zu dem „Verunglückten“ hinunter und sicherten ihn sofort am Seil. Schließlich packte die ganze Mannschaft mit an und mit vereinten Kräften und der Hilfe eines Flaschenzugs hatten alle drei nach wenigen Minuten wieder festen Boden unter den Füßen.

„Versunken im Schnee“
Das sonnige Wetter Ende März wollte ein Wanderer ausnutzen und beschloss, am Wanderparkplatz Rosengasse zu starten und den Brünnstein zu umrunden. Die Südseite des Berges war zu dieser Zeit bereits weitgehend schneefrei und so kam er über die Seeon- und Himmelmoos-Alm gut voran und erreichte rasch das geschlossene Brünnsteinhaus. Sein weiterer Weg führte ihn jedoch auf die schattige Nordseite des Berges, wo er von mächtigen Altschneefeldern überrascht wurde. Wesentlich langsamer und mühsamer als gedacht kam er nun vorwärts und der Weg verschwand im steilen Gelände unter dem Schnee. Als die Dämmerung einsetzte, entschied er sich entkräftet, den Notruf zu wählen, weil er den Weg zur Rosengasse nicht mehr aus eigener Kraft schaffen konnte.
Um 18:21 Uhr wurden die Bergretter von der Integrierten Leitstelle Rosenheim zur „Rettung einer erschöpften Person“ auf der Nordseite der Brünnsteinschanze alarmiert. Der Rückruf des Einsatzleiters ergab, dass der unverletzte Wanderer irgendwo auf dem Wanderweg zwischen Großalm und Seelackenalm festsaß. Um seine Position möglichst genau zu bestimmen und keine Zeit zu verlieren, wurde eine Ortung des Anrufers mittels Smart Locator durchgeführt.
Mit dem Einsatzfahrzeug, dem Bergwacht Quad und schließlich ab der Seelackenalm auf Tourenski machten sich zwei Bergretter in der bereits einsetzenden Dunkelheit auf den Weg in Richtung des festsitzenden Wanderers. Das Quad ist ein Spezialfahrzeug, das im Winter mit Raupen ausgestattet wird und dadurch extrem geländegängig ist. Um keine weitere Zeit zu verlieren, forderte der Einsatzleiter in der Zwischenzeit für die rasche Rückholung des Patienten einen Polizeihubschrauber an. Bei einer kurzen Zwischenlandung an der Bergrettungswache stieg ein Bergretter zu und der Hubschrauber startete in Richtung Einsatzstelle. Währenddessen geleiteten die beiden Bergretter den entkräfteten Wanderer zu einem flacheren und schneefreien Teil des Hanges, wo der Hubschrauber aufsetzen konnte. Der Patient wurde durch die Einsatzkräfte in den Hubschrauber geleitet und anschließend zur Bergrettungswache geflogen. An diesem Einsatz waren zehn Bergretter sowie der Hubschrauber Edelweiß 3 der Bayerischen Bereitschaftspolizei beteiligt.

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Rosenheim-Samerberg

Anbau der Bergrettungswache erfolgreich abgeschlossen
Die im Herbst 2020 gestarteten Bauarbeiten für den Anbau an die Bergrettungswache konnten mittlerweile erfolgreich zu Ende gebracht werden. In über 4.000 Stunden ehrenamtlicher Eigenleistung der Einsatzkräfte wurde der Anbau geplant, die Finanzierung organisiert und die Bauarbeiten durchgeführt. In der Wintersaison kann die neue Garage für den Anhänger der Höhlenrettung, das Einsatzleitfahrzeug und das Geländefahrzeug erstmals vollständig genutzt werden. Nun haben alle Fahrzeuge ein Dach über den Kopf, um jederzeit einsatzfähig zu sein. Neben den Stellplätzen wurde zudem der Stauraum für die gesamte Ausrüstung erweitert. Der Anbau wird noch mit der nötigen Inneneinrichtung ausgestattet. Auch im Außenbereich hat sich die Bergrettungswache verändert. Hier konnte die geplante Kletterwand an der Außenfassade umgesetzt werden. An dieser Wand können verschiedene grundlegende Seil- und Rettungstechniken wetter- und tageslichtunabhängig trainiert werden. Neben der großen Anzahl an Arbeitsstunden waren die Einsatzkräfte zusätzlich bei 127 Einsätzen im Jahr 2021 gefordert. Die Bergwacht Rosenheim –Samerberg bedankt sich recht herzlich bei allen Unterstützern, den umliegenden Firmen für die Sach-und Geldspenden, mit denen der Anbau realisiert werden konnte. Mit ihrer Hilfe kann die ehrenamtliche Arbeit der Bergwacht im Hochriesgebiet kontinuierlich verbessert werden.

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Sachrang-Aschau

Echtflug- & Windentraining mit der bayerischen Landespolizei
Gerade der Bereich der Ausbildung war im vergangenen Jahr mit den geltenden hygienischen Maßnahmen und Rahmenbedingungen stark eingeschränkt. Die wenigen Termine waren geprägt von Ausbildungen in Kleingruppen zur Vermeidung von Kontakten unter den Dienstgruppen und einer starken Reduktion der Themengebiete auf das Wesentliche. Umso erfreulicher war die Möglichkeit zur Durchführung eines Echtflugtrainings gemeinsam mit den Nachbarbereitschaften und den Bergführern der bayrischen Landespolizei. So konnten die allgemeinen Basics und Spezialverfahren in der Luftrettung an einem sonnigen Tag bei winterlichen Bedingungen im Kampenwandgebiet mit einer Edelweißmaschine getestet und für den Ernstfall geübt werden. Kurz vor dem regulären Ende der Hubschrauberübung wurden dann die Edelweißmaschine und die Polizeibergführer zu einem Lawinenabgang am Hocheis in den Berchtesgadener Alpen gerufen. Zudem wurden die aktiven Einsatzkräfte am Nachmittag nach dem Flugtraining zu einem gestürzten Skifahrer gerufen, der über starke Schmerzen im Thoraxbereich klagte. Nach eingehender medizinischer Versorgung konnte dieser in das Tal verbracht und an den Landrettungsdienst übergeben werden. Ein Herzliches Dankeschön geht hier an die Polizei, die diese Übung für uns ermöglicht hat. Die Zusammenarbeit hat wie immer reibungslos funktioniert, und so sind wir wieder ein bisschen besser auf mögliche Einsatzszenarien vorbereitet.

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